Holger Kreis
- in Co-operation with
Hans Hagedorn, zebralog
Paper zum 1.Blogtalk 2003 in Wien

Weblogs in Stadtportalen -- Die Alternative zum isolierten Bürger-Webspace

Stadtportale werden mit dem Anspruch konzipiert, alle Aktivitäten einer Stadt abzubilden und zu unterstützen. Dazu gehören neben elektronischen Verwaltungsvorgängen, Partizipation an politischen Entscheidungsprozessen, Unternehmensaktivitäten und Handel vor allem die bürgerschaftliche Säule.

Während sich die erstgenannten Bereiche bereits zu etablieren beginnen und feste Begrifflichkeiten definieren (e-administration, e-participation, e-business, e-commerce), besteht im bürgerschaftlichen Bereich noch konzeptionelle Unsicherheit. Der ursprüngliche Ansatz, Bürger kostenlose e-mail Adressen, Webspace und Hompage-Tools zur Verfügung zu stellen wird zunehmend kritisch oder erfolglos eingeschätzt, wie die Beispiele bei hamburg.de und berlin.de zeigen.

Es kann vermutet werden, dass für die Lebendigkeit eines bürgerschaftlichen Bereichs sowohl technische als auch inhaltliche Voraussetzungen gegeben sein müssen. Inhaltlich muss die publizierte Information für die Zielgruppe lesenswert sein, und der Autor muss motiviert sein, die Information zu veröffentlichen. Technisch gesehen muss dem Autor der Veröffentlichungsvorgang erleichtert werden, und die Leser benötigen Funktionen für die Selektierung und Aggregierung der Informationen.

Weblogs in Kombination mit RSS-XML Formaten können genau diese Voraussetzungen liefern (Gordon 2002). Als Basisangebot in Stadtportalen, das allen Bürgern kostenlos oder zu einem geringen Preis angeboten wird bietet es Publikationsmöglichkeit mit einer niedrigen technischen Zugangsschwelle.

Inhaltlich interessant wird es aber vor allem dadurch, dass Informationen von vielen unterschiedlichen Autoren themenspezifisch abgerufen werden kann. Wenn zum Beispiel die Umgestaltung eines zentralen Stadtplatzes geplant ist, könnten viel Bürger ihre Meinungen in ihr persönliches Weblog schreiben, und es unter dem Stichwort "Stadtplatz" als RSS-XML Objekt anbieten. Interessierte Leser könnten sich dann in geeigneten Readern (client- oder web-basiert) einen sehr vollständigen Überblick über die gesamtstädtische Diskussion machen. Weitergedacht könnte auf diese Weise eine qualifizierte städtische Diskussion entstehen, die unabhängig von großen Partizipationsplattformen oder klassischen Printmedien lebt.

Denkbar ist auch, über ein zentraladministriertes System (CMS-Addon) bestimmten Themenbereichen des Stadtportals eine weitere bürgerschaftliche Komponente zu verleihen: Kulturell Interessierte begeben sich auf eine Museumsrundreise durch die Stadt und halten ihre Impressionen in Bild und Wort fest. Oder die besten Kneipen und Restaurants von Nachtschwärmern für Nachtschwärmer. Die Aufzählung lässt sich weiterspinnen und breitet sich auf das Gesamtspektrum aller Anwendungsmöglichkeiten von Weblogs aus. Der Unterschied liegt darin, dass die Urheber der Informationen auf einen engeren geographisch abgesteckten Raum zurückzuführen sind, die wiederum mit "Zeige-in-Karte-Funktionalität" im Stadtportal darstellbar ist.

Literatur:
Gordon, Thomas F. (2002): A Simple, Open, Scalable and Distributed Architecture for Public Participation. http://www.tfgordon.de/archives.html#note_75

Weblogs for Regional Portals -- the alternative to isolated citizen webspace

Regional Portals are designed to support all activities of a region or city. These activities include digital administration processes, participation in politics, local business activities and retail. And especially the voluntary citizen sector should play an important role.

By now most of these sectors have established very well and have defined topics (e-administration, e-participation, e-business and e-commerce). However, the voluntary citizen sector is still in an early development phase.

The original effort to provide free e-mail accounts, webspace and homepage-tools is regarded more and more critical. Large Portals in Germany (hamburg.de and berlin.de) have recently terminated those service because of misuse or financial reasons.

It appears to be that you need both technology and content, in order to establish an active citizen community in your portal. On the content side the target group needs good information to be interested, while the authors need motivation to publish this information. On the technological side you need a user-friendly publishing tool and - most important - readers need tools for selecting and aggregating the appropriate information.

Weblogs in combination with RSS-XML formats are able to deliver exactly this functionality (Gordon 2002). As a basic feature in regional portals - offered for free or at low costs - it provides the well known easy-to use publishing facilities.

However, the special advantage derives from the possibility to collect information about one selected topic from many different authors. For example, if a central urban square is undergoing major development, citizens could write their opinions about it in their personal weblog. Each item would be published also as an RSS-XML file with the keyword "urban square". By using XML-Readers (client- or web-based) citizens would be able to get a complete overview of all statements. If you develop this idea further on, you could imagine a qualified community discussion emerging independently from large-scale participation servers or print media.

You could also imagine to enlarge the central content management system of a portal (CMS Add on) with weblog functionalities. Selected topics of the portal could be completed by citizens: Culturally interested visitors could document their impression of the city's museums in words and pictures. What about the best pubs and restaurants -- written by nighthawks for nighthawks?

You can easily carry on with this list and find many new ideas for weblogs. The important point is, that all authors live and collect their information within the geographical area of the region. You can even show that in the portals GIS-map.

literature:
Gordon, Thomas F. (2002): A Simple, Open, Scalable and Distributed Architecture for Public Participation. http://www.tfgordon.de/archives.html#note_75


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